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Warum eine Unfallflucht hier nicht zum Führerscheinverlust führte
Miles-Fahrer begeht Unfallflucht und behält Führerschein
- Ein Nutzer des Carsharing-Anbieters Miles verursachte einen Unfall und fuhr anschließend weiter, ohne seine Daten zu hinterlassen.
- Die Berliner Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin die vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis.
- Nach Auffassung des Landgericht Berlin I zählt der Schaden am Miles-Fahrzeug jedoch nicht als relevanter Fremdschaden.
- Ausschlaggebend war außerdem, dass der Schaden am gegnerischen Fahrzeug unterhalb der Erheblichkeitsgrenze blieb.
- Das Gericht sah deshalb keine ausreichende Grundlage für einen Fahrerlaubnisentzug.
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§ 142 StGB
Gesetze im InternetVorschrift zum unerlaubten Entfernen vom Unfallort; zuletzt abgerufen am 18.05.2026.
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§ 69 StGB
Gesetze im InternetRegelungen zur Entziehung der Fahrerlaubnis im Strafverfahren; zuletzt abgerufen am 18.05.2026.
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§ 111a StPO
Gesetze im InternetVorschrift zur vorläufigen Entziehung der Fahrerlaubnis; zuletzt abgerufen am 18.05.2026.
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LG Berlin I, Beschluss vom 02.02.2026 – Az. 502 Qs 6/26
dejure.orgEntscheidung des Landgerichts Berlin I zur Frage, ob Schäden an Carsharing-Fahrzeugen als Fremdschaden im Sinne der Fahrerlaubnisentziehung zählen; zuletzt abgerufen am 18.05.2026.
Unfall gebaut, weitergefahren, Führerschein behalten: Mit dieser Konstellation musste sich das Landgericht Berlin I befassen. Die Richter entschieden, dass der Schaden an einem Carsharing-Fahrzeug von Miles keinen Fremdschaden darstellt.
Nach Unfall mit Miles-Auto geflüchtet – Gericht gibt Fahrerlaubnis zurück
Eine überstürzte Abfahrt und schon landet ein Autofahrer vor Gericht. Genau das passierte einem Nutzer des Carsharing-Anbieters Miles in Berlin. Gegen ihn wurde wegen Unfallflucht ermittelt.
Trotzdem durfte der Mann seinen Führerschein am Ende behalten. Der Grund dafür liegt in einem juristischen Detail, das bei Carsharing-Fahrzeugen eine entscheidende Rolle spielte (Az. 502 Qs 6/26).
Crash beim Ausfahren aus dem Baumarktparkplatz
Nach den Feststellungen des Gerichts war der Mann mit einem Miles-Fahrzeug aus einem Baumarktparkplatz gefahren und hatte dabei die Vorfahrt einer anderen Autofahrerin missachtet. Es kam zum Zusammenstoß.
Zwar stoppte der Fahrer zunächst kurz, entfernte sich anschließend aber von der Unfallstelle, ohne seine Personalien anzugeben. Genau dieses Verhalten kann den Straftatbestand der Fahrerflucht nach § 142 StGB erfüllen.
Führerschein zunächst beschlagnahmt
Die Berliner Staatsanwaltschaft reagierte schnell und beantragte eine vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis. Grundlage dafür waren § 111a StPO sowie § 69 StGB.
Das Amtsgericht Tiergarten entsprach dem Antrag zunächst, der Mann musste seinen Führerschein abgeben. Gegen diese Entscheidung legte der Betroffene jedoch Beschwerde ein und bekam vor dem LG Berlin I recht.
Warum die Schadenssumme entscheidend wurde
Im Mittelpunkt des Verfahrens stand die Frage, wie hoch der sogenannte Fremdschaden war. Denn bei Fahrerflucht droht ein Entzug der Fahrerlaubnis in der Regel nur dann, wenn ein bedeutender Sachschaden entstanden ist. Die Gerichte setzen diese Grenze aktuell meist bei etwa 1.500 Euro an.
Der Schaden am Auto der anderen Beteiligten lag jedoch unter diesem Wert. Deshalb wollte die Staatsanwaltschaft zusätzlich den Schaden am Miles-Carsharing-Auto berücksichtigen. Erst dadurch wäre die relevante Grenze überschritten worden.
LG Berlin I sieht keinen relevanten Fremdschaden
Die Richter lehnten genau das ab. Nach ihrer Auffassung schützt § 142 StGB vor allem die Interessen anderer Unfallbeteiligter. Schäden am selbst genutzten Fahrzeug sollen deshalb grundsätzlich nicht berücksichtigt werden. Das gelte auch dann, wenn das Fahrzeug einem Carsharing-Unternehmen gehört.
Besonders wichtig war für das Gericht außerdem, dass sich Schäden bei Carsharing-Modellen gut nachvollziehen lassen. Nutzer müssen neue Schäden dokumentieren, Vorschäden werden gespeichert und der Anbieter kann Kontrollen durchführen. Deshalb sah das Gericht kein besonderes Bedürfnis, zusätzliche Beweise direkt am Unfallort zu sichern.
Beschluss bringt Führerschein zurück
Für den Beschuldigten hatte die Entscheidung unmittelbare Folgen: Er erhielt seine Fahrerlaubnis zurück. Das Verfahren selbst ist damit allerdings noch nicht beendet. Das Landgericht entschied lediglich über die vorläufige Entziehung des Führerscheins. Ob der Mann später tatsächlich wegen Fahrerflucht verurteilt wird, muss weiterhin in einem Hauptverfahren geklärt werden.
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